Zementfugen im Bad erneuern: Alte Fugen entfernen, neu verfugen und echte Kosten

Zementfugen im Bad erneuern: Alte Fugen entfernen, neu verfugen und echte Kosten

Zementfugen im Badezimmer sind oft die ersten Stellen, die durch Feuchtigkeit, Schimmel oder Risse optisch und funktionell leiden. Dieser Ratgeber richtet sich an Heimwerker, die ihr Bad selbst sanieren möchten – mit realistischen Methoden, Werkzeugen aus dem Baumarkt (OBI, Bauhaus, Hornbach, toom) und echten Kosten. Sie erfahren Schritt für Schritt, wie Sie alte Fugen fachgerecht entfernen, den Untergrund vorbereiten und neue Fugen einbringen. Zudem klären wir, wann Sie besser einen Profi rufen sollten.

Zementfugen im Bad erneuern: Alte Fugen entfernen, neu verfugen und echte Kosten

Schritt 1: Alte Zementfugen entfernen

Werkzeug und Material

  • Fugenkratzer (manuell oder mit oszillierendem Multitool – z.B. Fein, Bosch oder günstige Eigenmarken ab 50 €)
  • Bohrerklingen für Multitool, Spezialsägeblätter für Fugen (Zahnung 5–10 mm)
  • Flachmeißel oder Stechbeitel (für grobe Reste)
  • Hammer (300–500 g)
  • Schutzausrüstung: Schutzbrille, Staubmaske FFP2, Arbeitshandschuhe
  • Staubsauger mit Fugendüse
  • Spachtel oder Putzbrett zum Abdecken der Fliesen (optional)

Arbeitsschritte

Entfernen Sie die alte Fuge mindestens 3 mm tief – bis fester Mörtel oder Beton kommt. Bei normalen Fugen (Breite 3–5 mm) verwenden Sie das Multitool mit einem Fugenbohrer. Setzen Sie das Gerät senkrecht an und fahren Sie die Fugenlinie entlang. Halten Sie den Winkel konstant (ca. 45°), um die Fliesenkante nicht zu beschädigen. Arbeiten Sie in kurzen Bahnen (ca. 1 m) und saugen Sie regelmäßig ab. Bei sehr harten Zementfugen kann ein manueller Fugenkratzer ausreichend sein – nutzen Sie Hebelwirkung. Entfernen Sie auch lose Putzreste. Nach dem Auskratzen kontrollieren Sie die Fugen mit einer Lampe – keine hellen Stellen (Restfuge) sind zulässig. Reinigen Sie die Fläche mit einem feuchten Tuch und lassen Sie sie vollständig trocknen (ca. 2–4 Stunden).

Schritt 2: Fugen vorbereiten und neues Material auswählen

Untergrundvorbereitung

Der Fugengrund muss staubfrei, fettfrei und leicht feucht sein (nicht nass). Bei stark saugenden Fliesen (z.B. Naturstein) grundieren Sie die Fugenränder mit einem speziellen Haftgrund (z.B. PCI Gisogrund, ca. 15 €/Liter). Bei glasierten Fliesen ist das nur bei starken Zugkräften nötig. Prüfen Sie die Fugenbreite: Bei breiteren Fugen (über 5 mm) benötigen Sie eventuell eine Fugenmasse für Breitfugen (z.B. Sopro Megaflex, ca. 25 €/5 kg). Standard-Zementfugen für 2–5 mm Fugenbreite verwenden Sie ein zementäres Fugenmörtel-Pulver (z.B. PCI Pecituch, Sopro Fugenmörtel 3–5 mm). Es gibt auch vorgefertigte, gebrauchsfertige Zementfugenmörtel (teurer, ca. 10 €/kg). Achten Sie auf die Verarbeitungszeit: 30–90 Minuten je nach Produkt. Mischen Sie nur so viel an, wie Sie in 20 Minuten verarbeiten können.

Werkzeug fürs Verfugen

  • Fugengummi oder Fugenspachtel (Hartgummi oder Metall mit Gummilippe)
  • Eimer (10–15 Liter) und Rührstab (Bohrmaschine mit Rührer, Drehzahl max. 400 U/min)
  • Wasser zum Reinigen und Befeuchten
  • Schwammbrett oder großer Schwamm (weich, fusselfrei)
  • Latexhandschuhe und Schutzkleidung
Zementfugen im Bad erneuern: Alte Fugen entfernen, neu verfugen und echte Kosten

Schritt 3: Neu verfugen – Anleitung

Mischen und Auftragen

Mischen Sie den Fugenmörtel nach Herstellerangabe (üblich: 2–2,5 Liter Wasser auf 5 kg Pulver). Rühren Sie langsam, bis eine klumpenfreie, pastöse Masse entsteht. Lassen Sie den Mörtel 5 Minuten reifen. Tragen Sie ihn mit dem Fugengummi diagonal über die Fugen auf – drücken Sie kräftig, so dass die Fuge vollständig gefüllt ist. Arbeiten Sie in Abschnitten von etwa 1–2 m². Entfernen Sie sofort Überschuss mit dem Fugengummi – halten Sie das Gummi in einem flachen Winkel (30°) und ziehen Sie es schräg ab. Nach dem Antrocknen (ca. 15 Minuten – je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit) beginnen Sie mit dem Wischen. Tauchen Sie den Schwamm in klares Wasser, wringen Sie ihn gut aus (nur feucht) und wischen Sie die Fliesen in sanften Kreisbewegungen. Spülen Sie den Schwamm regelmäßig aus. Wiederholen Sie diesen Vorgang, bis keine Schlieren mehr sichtbar sind. Achten Sie darauf, die Fugen nicht auszuwaschen – sie sollten leicht konkav eingezogen sein (ca. 0,5 mm tiefer als die Fliesenoberfläche). Lassen Sie die Fugen 24 Stunden trocknen. Schützen Sie sie vor Zugluft und direkter Sonne. Nach 24 Stunden können Sie eventuelle weiße Schleier mit einem speziellen Reiniger (z.B. Fugenreiniger von Preto, ca. 8 €/500 ml) entfernen.

Kosten für Material und Werkzeug

Hier eine realistische Aufstellung für ein durchschnittliches Bad (ca. 10 m² Fliesenfläche, Fugenbreite 4 mm). Preise basieren auf Baumarktpreisen 2025 (OBI/Bauhaus).

  • Fugenkratzer/Multitool (falls nicht vorhanden): 30–100 €
  • Ersatzbohrer für Multitool (2–3 Stück): 10–25 €
  • Schutzausrüstung (Brille, Maske, Handschuhe): 15–25 €
  • Fugenmörtel-Pulver (5–10 kg, je nach Verbrauch: ca. 3–5 kg pro 10 m² bei 4 mm Fuge): 15–35 €
  • Fugengummi und Schwammbrett: 8–15 €
  • Eimer und Rührstab (falls nötig): 5–10 €
  • Haftgrund (optional): 10–20 €
  • Nachbehandlungsreiniger (falls nötig): 5–10 €
  • Gesamtkosten für Heimwerker (ohne vorhandenes Werkzeug): 80–240 €

Hinweis: Wenn Sie einen Profi beauftragen, liegen die Kosten für das Verfugen (inkl. Material) bei etwa 20–40 € pro m² reine Fugenfläche (ca. 200–400 € für ein Bad). Bei aufwändigen Fliesen oder Altbaufugen kann es teurer sein.

Typische Fehler beim Verfugen

  • Zu tiefes Auskratzen – beschädigt Unterputz oder Fliesenkleber – dann Abdichtung gefährdet.
  • Nicht gründlich entstaubt – Fugenmörtel haftet nicht und reißt.
  • Zu nasser Schwamm – wäscht Zement aus den Fugen, sie werden rissig und krümelig.
  • Zu frühes Wischen – verschleppt die Farbe, Fugen werden fleckig.
  • Falsche Mörtelkonstsenz – zu flüssig: Fugen laufen aus; zu trocken: keine Kraft.
  • Keine Dehnungsfugen eingeplant – an Wand-Boden-Übergängen müssen flexible Silikonfugen bleiben (z.B. Sopro Silikon, ca. 10 €/Kartusche).
  • Bei Elektroanschlüssen vergessen – Steckdoseneinfassungen müssen dicht sein, sonst Feuchtigkeit.

Wann zum Fachbetrieb?

Bei diesen Arbeiten sollten Sie einen Fliesenleger oder Fachbetrieb hinzuziehen: Wenn die Fliesen lose sind oder der Unterputz instabil (kiessende Hohlgeräusche). Wenn Sie eine Abdichtung nach DIN 18534 benötigen (z.B. bei Dusche ohne bodengleiche Dusche – da müssen Fliesen und Fugen wasserdicht sein). Bei Elektrik oder Wasserleitungen in der Wand – mögliche Beschädigungen durch Multitool. Auch bei historischen oder empfindlichen Fliesen (Handstrich, Naturstein) ist Fachkenntnis nötig. Und wenn Sie unsicher sind – Fachbetriebe kosten zwar Geld, aber ein Fehler kann teurer werden (Wasserschaden).

Checkliste für die Fugenemeuerung

  • [ ] Alte Fuge vollständig entfernt (mind. 3 mm tief)
  • [ ] Fugengrund gereinigt, entstaubt und leicht angefeuchtet
  • [ ] Dehnungsfugen (Wand-Boden, Ecken) mit Silikon geplant und abgeklebt
  • [ ] Fugenmörtel nach Anleitung gemischt
  • [ ] Fugen in Abschnitten von 1–2 m² eingedrückt und abgezogen
  • [ ] Nach 15 Minuten mit feuchtem Schwamm gewischt
  • [ ] Nach 24 Stunden Trocknungszeit ggf. Schleier entfernt
  • [ ] Silikonfugen erst nach 48 Stunden aufgetragen
  • [ ] Werkzeug gereinigt (nie im Abfluss! Reste aushärten lassen und im Restmüll entsorgen)

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