In deutschen Wohnungen – ob Altbau mit 3,20 m Deckenhöhe oder Neubau mit 2,50 m – liegt über den meisten Türen ein ungenutzter Luftraum. Dieser Bereich ist ideal für zusätzlichen Stauraum, ohne wertvolle Grundfläche zu belegen. Doch Vorsicht: Falsch montierte Regale können zu Beschädigungen des Türblatts oder der Zarge führen und in Mietwohnungen Ärger mit dem Vermieter verursachen. In diesem Ratgeber erfahren Sie, worauf es bei der Planung, Montage und Nutzung von Oberlicht-Regalen ankommt – mit konkreten Kosten, Produktbeispielen und einer Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Auf einen Blick

- Platzgewinn: Ein Oberlicht-Regal über einer 90 cm breiten Tür bietet je nach Tiefe (20–35 cm) etwa 0,15–0,30 m² zusätzliche Abstellfläche – pro Tür. In einer 3-Zimmer-Wohnung mit vier Türen sind das schnell 0,6–1,2 m².
- Kosten: Selbstbau aus Multiplex-Platte und Winkelprofil ca. 15–25 € pro Regal; fertige Systeme (z. B. von Kesseböhmer oder Häfele) kosten 40–80 €. Zzgl. Dübel und Schrauben.
- Montage: Im Trockenbau sind spezielle Hohlraumdübel (z. B. Gipskarton-Dübel mit 50 kg Traglast) Pflicht. In Massivwänden reichen 8 mm Dübel und 5 x 60 mm Schrauben.
- Mietrecht: Keine bauliche Veränderung, wenn Sie in der Zarge oder im Mauerwerk außerhalb der Türöffnung bohren. Vermeiden Sie Eingriffe in den Türrahmen selbst.
- Lastgrenze: Typische Oberlicht-Regale tragen 10–20 kg pro laufendem Meter. Schwere Gegenstände wie Aktenordner oder Bücher sollten Sie eher in unteren Regalen unterbringen.
1. Planung und Maße: Was passt über meine Tür?
Der Platz über einer Tür wird durch den Abstand zwischen Türrahmenoberkante und Decke bestimmt. In Neubauten beträgt dieser oft nur 20–30 cm, in Altbauten können es 40–60 cm sein. Messen Sie genau: Die lichte Höhe über dem geöffneten Türblatt – bei einer Standardzarge ragt das Türblatt etwa 2 cm über den Rahmen. Ein Regal sollte daher mindestens 2–3 cm über der Türblattkante montiert werden, damit die Tür sich ungehindert öffnen und schließen lässt. Die Tiefe des Regals sollte nicht breiter sein als die Türzarge selbst, um ein Anstoßen beim Durchgehen zu vermeiden. Üblich sind 20 cm, maximal 35 cm bei sehr breiten Türen. In einer 55 m² Altbauwohnung in Leipzig haben wir über der Wohnzimmertür ein 30 cm tiefes Regal montiert – perfekt für Dekokörbe und saisonale Textilien.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Statik der Wand. In deutschen Mietwohnungen bestehen Innenwände häufig aus Gipskarton (Trockenbau) oder Ziegel. Für Trockenbauwände benötigen Sie spezielle Hohlraumdübel, die eine Tragfähigkeit von mindestens 50 kg pro Dübel garantieren. Für Ziegel oder Beton reichen Standarddübel. Prüfen Sie vor dem Bohren mit einem Dübelprüfer oder einer kleinen Bohrung, um die Wandbeschaffenheit zu ermitteln. Ein Oberlicht-Regal sollte immer an der Wand (seitlich der Zarge) oder an der Decke verschraubt werden – niemals an der Türzarge selbst, da diese nicht für Lasten ausgelegt ist.
2. Materialien und Befestigung: So wird es stabil
Für den Selbstbau empfehle ich eine 18 mm starke Multiplexplatte (Birke oder Pappel) in der gewünschten Breite und Tiefe. Die Platte wird auf zwei Konsolen oder Winkelprofile gelegt, die an der Wand verschraubt werden. Alternativ können Sie ein fertiges Oberlicht-Regal-System kaufen, wie das „Orgatec Über-Tür-Regal“ von Kesseböhmer (ca. 55 €) oder das „Häfele Loft Board“ (ca. 42 €). Diese Systeme werden mit verdeckten Metallträgern geliefert und sind in der Regel bis 15 kg belastbar. Achten Sie darauf, dass die Metallträger eine horizontale Ausrichtung ermöglichen – viele Systeme haben Langlöcher für die Feinjustage.
Die Montage erfolgt in drei Schritten: 1. Position markieren: Legen Sie die Regalplatte auf die Träger und markieren Sie die Bohrlöcher an der Wand. 2. Löcher bohren: Verwenden Sie einen 6 mm oder 8 mm Bohrer je nach Dübelgröße. Bohren Sie waagerecht und etwa 2 cm unter der Decke, um die spätere Sichtbarkeit zu minimieren. 3. Dübel setzen und Träger festschrauben: Bei Gipskarton verwenden Sie Hohlraumdübel, die sich beim Anziehen aufspreizen. Prüfen Sie die waagerechte Ausrichtung mit einer Wasserwaage, bevor Sie die Regalplatte auflegen und fixieren. Bei schweren Lasten können Sie zusätzlich eine zentrale Stütze unter dem Regal anbringen – etwa eine schmale Metallsäule, die auf dem Türrahmen aufliegt (ohne diesen zu beschädigen).
3. Kostenaufstellung: Selbstbau vs. Fertigsystem
Die folgende Tabelle zeigt die typischen Kosten für ein Oberlicht-Regal (Breite 90 cm, Tiefe 25 cm) in Deutschland:
| Komponente | Selbstbau (Multiplex + Winkel) | Fertigsystem (z. B. Kesseböhmer) |
|---|---|---|
| Regalplatte | 10–15 € (Zuschnitt im Baumarkt) | 40–60 € (komplett) |
| Befestigungsmaterial (2 Winkel + Dübel) | 5–10 € | im Lieferumfang |
| Werkzeug (falls nicht vorhanden) | 10–20 € (Wasserwaage, Bohrer) | – |
| Gesamt | 15–25 € | 40–80 € |
In der Praxis zeigt sich, dass der Selbstbau nicht nur günstiger ist, sondern auch eine individuelle Anpassung an ungewöhnliche Maße erlaubt. In einem Altbau in München mit 3,40 m Deckenhöhe haben wir eine maßgefertigte Regalplatte aus Eichen-Multiplex für 22 € zugeschnitten – das Fertigsystem war zu kurz. Allerdings erfordert der Selbstbau etwas handwerkliches Geschick und Zeit (ca. 1–2 Stunden). Fertigsysteme sind in 15 Minuten montiert.
4. Mietrecht und Rückbau: Keine Probleme mit dem Vermieter
In Mietwohnungen ist das Anbringen eines Oberlicht-Regals in der Regel eine sogenannte „vertragsgemäße Nutzung“ und keine bauliche Veränderung, solange Sie nicht in die Bausubstanz eingreifen, die für die Mietsache wesentlich ist. Bohren Sie in der Wand seitlich der Türzarge – das ist wie das Aufhängen eines Bildes. Vermeiden Sie auf jeden Fall, in den Türrahmen selbst zu bohren oder die Zarge zu durchbohren. Sollten Sie ausziehen, lassen sich die Bohrlöcher mit etwas Spachtelmasse und Farbe problemlos verschließen. In der Praxis zeigt sich, dass die meisten Vermieter keine Einwände haben, wenn die Montage fachgerecht und rückstandsfrei erfolgt. Falls Sie unsicher sind, holen Sie vorab eine schriftliche Erlaubnis ein – besonders in Wohnungen mit Denkmalschutz oder in Eigentumswohnungen mit strenger Teilungserklärung.
Ein weiterer Tipp: Verwenden Sie lösbare Klebelösungen? Davon rate ich ab. Klebeverbindungen halten selten dauerhaft und können bei Belastung plötzlich versagen. Zudem hinterlassen Kleberückstände oft unschöne Spuren. Besser ist die mechanische Befestigung mit Dübeln. Falls die Wand aus weichem Gipskarton besteht, können Sie auch sogenannte „Kippdübel“ oder „Mollys“ verwenden, die eine hohe Tragfähigkeit bieten und sich später wieder entfernen lassen.
5. Nutzung und Organisation: Was lagere ich über der Tür?
Oberlicht-Regale eignen sich hervorragend für leichte bis mittelschwere Gegenstände, die Sie nicht täglich brauchen. Typische Beispiele: Dekokörbe, Decken, Kissen, saisonale Kleidung, Bücher (max. 5–6 pro Regalmeter), Sammlerstücke oder Vorratsdosen. Achten Sie darauf, dass die Gegenstände nicht zu hoch stapeln – sonst stoßen Sie beim Durchgehen an. Eine maximale Stapelhöhe von 15 cm über der Regalkante ist empfehlenswert. Verwenden Sie Körbe oder Boxen, um Ordnung zu halten und Staub zu vermeiden. In einem Home-Office über der Tür können Sie auch leichte Aktenordner (max. 3–4 pro lfd. Meter) unterbringen – schwerere Ordner besser in unteren Regalen.
Ein besonderer Tipp: Nutzen Sie das Regal als Präsentationsfläche für Pflanzen. Leichte Sukkulenten oder Kunstpflanzen in kleinen Töpfen (max. 1 kg pro Topf) sorgen für eine grüne Note, ohne die Statik zu überlasten. Achten Sie jedoch auf ausreichenden Abstand zur Decke, damit die Pflanzen nicht anstoßen.
Fazit: Checkliste für Ihr Oberlicht-Regal
- Maße nehmen: Abstand Türrahmen–Decke, lichte Höhe über geöffneter Tür, Wandbeschaffenheit prüfen.
- Material wählen: Selbstbau (Multiplex 18 mm + Winkel) oder Fertigsystem (Kesseböhmer, Häfele).
- Befestigung planen: Dübel je nach Wand – Gipskarton: Hohlraumdübel; Beton/Ziegel: Standarddübel 8 mm.
- Montage durchführen: Waagerecht ausrichten, nicht in die Zarge bohren, Last testen (10–20 kg pro Meter).
- Nutzung optimieren: Leichte Gegenstände, Körbe, max. Stapelhöhe 15 cm.
- Mietrecht beachten: Keine bauliche Veränderung, rückstandsfrei rückbaubar.

Häufige Fragen
Kann ich ein Oberlicht-Regal auch in einer Mietwohnung ohne Bohren montieren?
Nein, dauerhaft stabile Befestigung ohne Bohren ist nicht empfehlenswert. Klebelösungen halten meist nicht ausreichend und können bei Belastung versagen. In Mietwohnungen ist Bohren mit Dübeln erlaubt, solange Sie keine tragenden Wände oder die Türzarge beschädigen. Die Löcher lassen sich beim Auszug mit Spachtelmasse verschließen. Falls Bohren absolut nicht möglich ist, gibt es Klemm-Systeme, die an der Decke klemmen – diese sind aber weniger stabil und nur für sehr leichte Gegenstände geeignet.
Welche maximale Belastung ist für ein Oberlicht-Regal realistisch?
Bei fachgerechter Montage in einer Massivwand tragen handelsübliche Oberlicht-Regale etwa 10–20 kg pro laufendem Meter. Bei Gipskartonwänden mit Hohlraumdübeln sind es etwa 15 kg pro Dübel, also insgesamt ca. 30 kg bei zwei Dübeln. Überschreiten Sie diese Grenzen nicht, da sonst die Wand beschädigt werden kann. Schwere Gegenstände wie Bücherstapel oder Aktenordner sollten Sie daher vermeiden.
Kann ich das Regal auch über einer Schiebetür montieren?
Ja, aber mit Einschränkungen. Bei Schiebetüren ist der Platz über der Tür oft begrenzt, da die Laufschiene und der Türkasten Platz benötigen. Messen Sie den Abstand zwischen Schienenoberkante und Decke. Ein Regal darf die Laufschiene nicht berühren. In der Praxis ist der Abstand oft nur 10–15 cm, sodass nur flache Regale (max. 10 cm Tiefe) möglich sind. Verwenden Sie spezielle Flachregale oder LED-Leisten. Achten Sie darauf, dass das Regal nicht die Bewegung der Tür behindert.
Wie kann ich ein Oberlicht-Regal beleuchten?
Eine indirekte Beleuchtung unter dem Regal sorgt für eine angenehme Atmosphäre. Verwenden Sie LED-Streifen mit Klebeband, die Sie an der Unterseite des Regals anbringen. Achten Sie auf eine ausreichende Helligkeit (mind. 300 lm pro Meter) und eine warmweiße Lichtfarbe (2700–3000 K). Die Stromversorgung erfolgt über ein Netzteil, das Sie in der Nähe einer Steckdose platzieren. Falls keine Steckdose in der Nähe ist, können Sie batteriebetriebene LED-Streifen verwenden – diese halten je nach Nutzung 3–6 Monate. Achten Sie darauf, dass die Beleuchtung keine Wärme entwickelt, die die Regalplatte beschädigen könnte.
Was mache ich, wenn die Decke über der Tür sehr niedrig ist (weniger als 20 cm)?
In diesem Fall können Sie kein Standard-Oberlicht-Regal montieren, da der Platz für eine sinnvolle Ablage fehlt. Alternativ können Sie ein schmales Regal (Tiefe 10–15 cm) direkt an der Wand oberhalb der Tür anbringen – ähnlich einer Leiste. Diese eignet sich für leichte Dekoration oder als Ablage für Schlüssel und Kleinigkeiten. Eine weitere Möglichkeit ist die Nutzung eines Deckenhakens für Hängeschränke – jedoch nur, wenn die Decke massiv ist und Sie die Statik prüfen lassen.
Kann ich das Regal auch über einer Doppeltür (1,80 m breit) montieren?
Ja, aber die Belastbarkeit ist geringer, da die Spannweite größer ist. Ein Regal über einer Doppeltür sollte aus einer stabilen Platte (mind. 22 mm Multiplex) bestehen und an mindestens drei Punkten (links, Mitte, rechts) an der Wand befestigt werden. Die maximale Belastung reduziert sich auf etwa 10 kg pro laufendem Meter. Verwenden Sie zusätzlich eine Mittelstütze (Metallsäule), die auf dem Boden oder auf dem Türrahmen aufliegt. Achten Sie darauf, dass die Türflügel sich ungehindert öffnen lassen.
Wie kann ich verhindern, dass Gegenstände vom Regal fallen?
Montieren Sie eine schmale Leiste (2–3 cm hoch) an der Vorderkante des Regals als Fallschutz. Diese kann aus dem gleichen Material wie die Regalplatte bestehen und wird mit Holzleim und kleinen Nägeln befestigt. Alternativ können Sie durchsichtige Acrylglas-Leisten verwenden, die optisch unauffällig sind. Bei Fertigsystemen sind oft integrierte Kanten vorhanden. Achten Sie beim Beladen darauf, dass schwere Gegenstände nach hinten gestellt werden, leichte nach vorne.