Warum Raumteiler im Wohnzimmer oft besser sind als eine „richtige“ Wand
In deutschen Wohnungen (oft 18 bis 30 m2 Wohnzimmer) kollidieren mehrere Funktionen: Sofa und TV, Essplatz, Spielbereich, Homeoffice, Stauraum. Eine Trockenbauwand wirkt zwar konsequent, nimmt aber Licht, macht Laufwege enger und ist in Mietwohnungen selten stressfrei umsetzbar.
Ein guter Raumteiler löst das pragmatischer: Sie gewinnen Zonen, ohne den Raum zu „zerhacken“. Wichtig ist, dass der Raumteiler nicht nur hübsch aussieht, sondern im Alltag stabil steht, das Licht respektiert, Kabel sauber führt und sich reinigen lässt.
In diesem Guide bekommen Sie belastbare Optionen (Regal, Vorhang, Lamellenwand, halbhohe Lösungen), konkrete Maße und typische Fehler aus realen Wohnsituationen.
- Micro-BOM (typische Raumteiler-Montage, 80 bis 160 EUR):
- 2 x Anti-Rutsch-Möbelpads (8 Stück) - ca. 8 EUR
- 1 x Filzgleiter-Set + Möbelkeile - ca. 10 EUR
- 1 x Kabelkanal selbstklebend (2 m) - ca. 12 EUR
- 1 x Mehrfachsteckdose mit flachem Stecker (3 bis 5 m) - ca. 20 EUR
- 2 x Winkelverbinder + Schrauben (bei Regal-Raumteiler) - ca. 15 EUR
- 1 x Wand-/Deckenbefestigungsset passend zum Untergrund - ca. 25 bis 60 EUR

Vor dem Kauf: 5 schnelle Checks, die Ärger sparen
1) Welche Zone soll getrennt werden?
Schreiben Sie einen Satz: „Ich will X vom Y trennen, damit Z besser funktioniert.“ Beispiele:
- TV-Bereich vom Essplatz, damit der Fernseher nicht „im Blick“ steht.
- Homeoffice-Ecke vom Sofa, damit Videocalls nicht im Wohnchaos enden.
- Spielbereich vom Durchgang, damit Kleinteile nicht im Flur landen.
2) Laufwege: Mindestbreiten, die sich bewähren
- Hauptdurchgang: 90 cm (besser 100 cm)
- Nebenlaufweg: 70 bis 80 cm
- Vor Schränken/Regalen: 80 bis 90 cm, damit Türen und Schubladen aufgehen
- Am Esstisch: 60 cm hinter Stühlen als Minimum, 75 cm komfortabel
Praxis-Tipp: Kleben Sie die Raumteiler-Linie mit Malerkrepp auf den Boden und stellen Sie einen Karton in ähnlicher Tiefe (z.B. 30 cm) hin. Zwei Tage testen, bevor Sie kaufen.
3) Licht und Blickachsen: keine „dunkle Ecke“ bauen
Wenn Ihr Wohnzimmer nur ein großes Fenster hat, vermeiden Sie volle, deckenhohe Elemente quer zur Fensterfront. Besser:
- offene Regale (durchlässig)
- Lamellen (Lichtdurchlass)
- Vorhänge aus halbtransparentem Stoff
- halbhohe Raumteiler (110 bis 140 cm)
4) Akustik: Raumteiler kann Lärm reduzieren, aber nur richtig
Ein dünnes, glattes Element (z.B. Glas) trennt optisch, schluckt aber kaum Schall. Wenn Sie mehr Ruhe wollen (TV vs. Esstisch, Homeoffice), wirken:
- dichte Vorhänge (Molton-ähnlich oder schwerer Strukturstoff)
- Regal mit Büchern und Körben (unregelmäßige Oberfläche)
- Lamellen plus Teppich in der Zone
5) Sicherheit: kippen, ziehen, klettern
Mit Kindern oder Haustieren gilt: Raumteiler müssen gegen Kippen gesichert sein. Ein freistehendes Regal ohne Wandfixierung ist im Alltag oft riskant, selbst wenn es „schwer“ wirkt.
Option 1: Offenes Regal als Raumteiler (Stauraum plus Zonierung)
Das Regal ist der Klassiker, weil es zwei Probleme gleichzeitig löst: Sichtschutz und Stauraum. Damit es nicht wackelt oder billig wirkt, sind drei Punkte entscheidend: Tiefe, Stabilisierung, und wie Sie es befüllen.
Maße, die sich bewähren
- Tiefe: 30 bis 35 cm sind wohnzimmertauglich. 40 cm wirkt schnell wuchtig.
- Höhe: 120 bis 160 cm zoniert gut, ohne Licht zu killen. 200 cm plus nur, wenn genug Fensterfläche da ist.
- Breite: 120 bis 180 cm gibt spürbare Trennung. Unter 80 cm wirkt es oft wie „zufällig hingestellt“.
Stabilität ohne Pfusch: so sichern Sie ein Raumteiler-Regal
- Regal mit Winkeln an Wand oder Decke sichern (je nach System).
- Bei Trockenbau: geeignete Hohlraumdübel verwenden, Last verteilen (zwei Befestigungspunkte oben, ggf. unten).
- Unter dem Regal Anti-Rutsch-Pads statt nur Filz, sonst wandert es beim Staubsaugen.
- Schwere Dinge nach unten: Ordner, Bücher, Keramik in die unteren Fächer.
Realitätscheck: Wenn Sie das Regal mit einer Hand seitlich drücken können und es sichtbar nachgibt, ist es als Raumteiler noch nicht alltagstauglich.
So befüllen Sie es, damit es ruhig und aufgeräumt wirkt
- 60 bis 70 Prozent geschlossene Elemente (Körbe, Boxen, Türen) und 30 bis 40 Prozent offene Deko.
- Keine „Kleinteil-Sammlung“: lieber 3 große Körbe als 12 kleine Dinge.
- In Sichtachsen: einheitliche Boxenfarben (z.B. natur, schwarz, grau), nicht kunterbunt.
- Wenn der Raumteiler TV-Rücken verdeckt: Kabelauslass über Kabelkanal nach unten führen.
Option 2: Vorhang als flexibler Raumteiler (ideal für Mietwohnungen)
Ein Vorhang trennt weich, ist günstig und lässt sich bei Bedarf komplett öffnen. Er ist besonders gut, wenn Sie nur zeitweise trennen wollen: tagsüber Homeoffice, abends „Wohnzimmer-Modus“.
Schiene oder Stange: was im Alltag besser funktioniert
- Decken-Schiene: sieht ruhiger aus, läuft leichter, wirkt „architektonischer“.
- Stange: schneller montiert, optisch präsenter, braucht meist mehr Abstand zur Decke.
Wenn Sie wenig Platz haben, ist die Schiene oft im Vorteil, weil der Vorhang näher an der Decke laufen kann und weniger „in den Raum“ ragt.
Stoffwahl nach Zweck (nicht nach Gefühl)
- Nur optische Trennung: halbtransparent (Voile/Struktur), damit Licht bleibt.
- Mehr Privatsphäre: dicht gewebt, mittleres Gewicht, gerne meliert.
- Akustik verbessern: schwerer Stoff (theaterähnlich) oder doppellagig.
Maße: so wirkt der Vorhang hochwertig
- Breite: 1,8 bis 2,2-fache Schienenbreite für schöne Falten.
- Länge: 1 bis 2 cm über Boden (leicht schwebend) oder exakt bodenlang. Schleifen lassen sieht schnell ungepflegt aus.
- Abstand zur Wand: 7 bis 12 cm, damit der Stoff nicht an Möbelkanten reibt.
Typische Praxis-Lösung: Homeoffice hinter Vorhang
- Schreibtisch so stellen, dass Sie seitlich zum Vorhang sitzen (weniger Schatten).
- Hinter dem Vorhang eine eigene Stehleuchte oder Klemmleuchte vorsehen.
- Kabel in einem selbstklebenden Kanal bis zur Steckdose führen, damit nichts im Vorhang hängt.
Option 3: Lamellenwand (Holzleisten) als leichter, moderner Raumteiler
Lamellen sind die Lösung, wenn Sie Zonen schaffen wollen, aber „Luft und Licht“ behalten möchten. Sie funktionieren gut zwischen Sofa und Essplatz oder als Sichtschutz für eine kleine Arbeitsecke.
Worauf Sie bei Lamellen achten sollten
- Lamellenabstand: 20 bis 40 mm wirkt modern und lässt Licht durch. Sehr große Abstände wirken schnell wie „Zaun“.
- Stabilität: oben und unten sauber fixieren (Boden/Decke oder Rahmenkonstruktion).
- Oberfläche: geölt ist reparaturfreundlich, lackiert ist pflegeleicht. In Haushalten mit Kindern: eher robust lackiert oder HPL-ähnliche Oberfläche.
Lamellen und TV: so vermeiden Sie Flimmern und Kabelsalat
- Lamellen nicht direkt hinter dem TV, wenn starke Fensterreflexe entstehen. Lieber seitlich oder hinter dem Sofa.
- Kabel durch einen vertikalen Kanal in der Lamellenkonstruktion führen.
- Wenn Steckdose fehlt: lieber eine definierte Leitung mit flachem Stecker als „Mehrfachstecker-Kette“.
Option 4: Halbhoher Raumteiler (Sideboard, Bank, Pflanzkasten) für kleine Räume
In sehr kleinen Wohnzimmern (unter 18 bis 20 m2) ist ein deckenhoher Raumteiler oft zu viel. Halbhohe Lösungen trennen, ohne Sichtlinien zu blocken. Sie sind außerdem einfacher zu beleuchten.
Gute Höhen und Tiefen
- Höhe: 90 bis 120 cm (auf Sitzbank-Niveau) oder 110 bis 140 cm (Sideboard-Niveau).
- Tiefe: 30 bis 45 cm, je nach Stauraumbedarf.
Konkrete Setups, die sich bewähren
- Sofa-Rücken Sideboard: Sideboard hinter das Sofa, darauf zwei Tischleuchten. Ergebnis: Zone wirkt „fertig“, Kabel verschwinden dahinter.
- Bank als Trennlinie: Bank zwischen Essplatz und Wohnzone. Vorteil: zusätzliche Sitzplätze, schnell umstellbar.
- Pflanzkasten als Puffer: eignet sich, wenn Sie weiche Trennung wollen. Aber: nur mit Untersetzer und dichtem Einsatz, sonst Wasserflecken.

Montage und Feinschliff: So wirkt der Raumteiler geplant, nicht improvisiert
Beleuchtung pro Zone: kleine Maßnahmen, große Wirkung
- TV/Sofa-Zone: indirektes Licht (Wandleuchte oder Stehleuchte) plus kleine Leselampe.
- Esszone: Pendelleuchte mittig über Tisch, ideal warmweiß 2700 bis 3000 K.
- Arbeitszone: neutralweiß 3500 bis 4000 K am Schreibtisch, blendfrei.
Wenn der Raumteiler eine Ecke „schluckt“, ist fast immer fehlendes Zonenlicht der Grund, nicht die Möbelfarbe.
Boden und Teppiche: Zonen sichtbar machen, ohne Stellwüsten
- Ein Teppich pro Hauptzone ist meist ausreichend.
- Teppichkanten so legen, dass mindestens die Vorderfüße der Möbel darauf stehen (Sofa, Sessel).
- Unter dem Essplatz: flach gewebt, leicht zu saugen, nicht zu klein.
Kabelmanagement: die häufigste „optische Leckstelle“
- Ein definierter Kabelweg pro Zone (entlang Sockelleiste oder hinter Möbeln).
- Steckdosenleiste befestigen (Klebepads oder Schrauben an unsichtbarer Stelle), nicht lose am Boden.
- Überlänge bündeln (Klettband), nicht knoten.
Budget-Orientierung (realistisch für Deutschland)
- Vorhang + Schiene: ca. 80 bis 250 EUR (je nach Stoffqualität und Länge)
- Regal als Raumteiler: ca. 120 bis 400 EUR plus Befestigung
- Lamellenwand (fertig oder DIY): ca. 250 bis 900 EUR je nach Größe und Oberfläche
- Halbhohes Sideboard: ca. 150 bis 600 EUR
Planen Sie für Befestigung, Kabel und Lichtkleinteile fast immer 30 bis 100 EUR extra ein. Das sind die Teile, die am Ende „professionell“ wirken lassen.
Podsumowanie
- Erst Zonen-Ziel definieren, dann Raumteiler wählen (optisch, akustisch, flexibel).
- Laufwege einhalten: 90 cm Hauptdurchgang, vor Möbeln 80 bis 90 cm.
- Regal-Raumteiler immer kippsichern und unten schwer beladen.
- Vorhang wirkt am besten mit Decken-Schiene, 1,8 bis 2,2x Stoffbreite.
- Lamellen trennen leicht und modern, brauchen aber saubere Fixierung oben/unten.
- Pro Zone eigenes Licht planen, sonst entstehen dunkle Ecken.
- Kabel als festen „Kanal“ führen, nicht frei hängen lassen.
FAQ
Welcher Raumteiler ist am besten für eine Mietwohnung?
Ein Vorhang mit Decken-Schiene ist am flexibelsten und vergleichsweise rückbaubar. Alternativ ein Regal, aber dann bitte mit unauffälliger Kippsicherung.
Wie hoch sollte ein Raumteiler sein, damit er nicht erdrückt?
Für die meisten Wohnzimmer funktionieren 120 bis 160 cm sehr gut. Wenn Sie viel Tageslicht nur von einer Seite haben, bleiben Sie eher im unteren Bereich oder nutzen durchlässige Lösungen.
Kann ich ein Regal frei in den Raum stellen, ohne es zu befestigen?
Technisch ja, praktisch oft nein. Beim Saugen, beim Anstoßen oder mit Kindern kippt es schneller als gedacht. Eine diskrete Sicherung an Wand oder Decke ist die sichere Lösung.
Wie trenne ich Homeoffice und Wohnzimmer, ohne dass es nach Büro aussieht?
Vorhang oder Lamellenwand plus eigenes Arbeitslicht. Zusätzlich: ein geschlossenes Sideboard oder Rollcontainer für Arbeitskram, damit abends die Fläche frei ist.
