Wandheizung nachrüsten in der Wohnung: Warm, effizient und ohne große Baustelle (Trockenbau und Lehmputz)

Warum eine Wandheizung im Bestand oft die bessere Wahl ist

Eine Wandheizung bringt Wärme dahin, wo Sie sie als Mensch spüren: über Strahlung. Das fühlt sich bei 20-21 °C Raumluft oft so behaglich an wie 22-23 °C bei klassischen Heizkörpern. In der Praxis heißt das: weniger Zugluft, weniger Staubaufwirbelung, angenehmer für Home Office und Wohnzimmer.

Für Bestandswohnungen und Häuser ist Wandheizung außerdem interessant, weil sie mit niedrigen Vorlauftemperaturen funktioniert. Das passt gut zu Wärmepumpe, Fernwärme oder effizient eingestellter Gastherme. Und: Sie gewinnen Stellfläche, weil keine großen Heizkörper im Weg sind.

Wichtig ist die Erwartung: Wandheizung ist kein „mal eben schnell“ Upgrade wie ein Thermostat. Sie ist ein baulicher Eingriff. Mit Trockenbau-Systemen oder Lehmputz geht das aber erstaunlich sauber und planbar, wenn Sie die richtigen Flächen wählen.

System Typische Aufbauhöhe Geeignet, wenn …
Trockenbau-Wandheizung (Module/Platten) ca. 25-60 mm Sie wenig Feuchte/Schmutz wollen und schnell wieder nutzen müssen
Wandheizung im Lehmputz ca. 15-35 mm Putz über Rohr Sie sehr angenehmes Raumklima und gute Speicherwirkung möchten
Elektrische Infrarot-Wandpaneele sehr gering (aufgesetzt) Sie keinen wasserführenden Umbau machen können (aber Stromkosten beachten)
Wohnzimmer mit moderner, heller Akzentwand, die als wasserführende Wandheizung ausgeführt ist
Wandheizung wirkt am besten auf freien, großflächigen Wandabschnitten.

Welche Wandflächen eignen sich wirklich (und welche nicht)

Die wichtigste Entscheidung ist nicht das System, sondern die Wandfläche. Wandheizung arbeitet mit großen, eher lauwarmen Flächen. Wenn Sie die falsche Wand belegen, bekommen Sie entweder zu wenig Leistung oder Sie „verbauen“ sich den Raum mit Möbelverboten.

Gute Flächen: so wählen Sie in 10 Minuten vor

  • Außenwand mit schlechter Behaglichkeit: Dort spüren Sie sonst Kaltstrahlung. Wandheizung kompensiert das sehr effektiv.
  • Freie Wand hinter Sofa oder Esstisch: Nicht direkt zustellen, aber „teilweise“ ist möglich (siehe Möblierungsregeln unten).
  • Wände ohne hohe Bilder-/Regal-Dichte: Bohrorgien sind später ein echtes Risiko.
  • Wandabschnitt mit 2-4 m Breite: Das ist oft der Sweet Spot für 300-700 W Heizleistung, je nach Aufbau und Vorlauf.

Schwierige Flächen: hier wird es in der Praxis oft teuer

  • Wand hinter Einbauküche: Zu viele Durchdringungen, Schränke blockieren Abgabe.
  • Wand mit dicker Möbelwand (Schrank 60 cm tief, deckenhoch): Wärme kommt kaum in den Raum.
  • Viele Steckdosen/Schalter auf engem Raum: Verlegung und Dosenversatz kosten Zeit.
  • Feuchtegefährdete Wand (Schimmel-Historie): Erst Ursache lösen, sonst heizen Sie in ein Problem hinein.

Möblierungsregeln, die im Alltag funktionieren

  • Abstand: Mindestens 5-10 cm Luft zwischen Heizfläche und Möbelrückwand. Bei massiven Schränken lieber 10-15 cm.
  • Keine dichten „Wärmedeckel“: Akustikpaneele, dicke Korkplatten oder vollflächige Spiegel direkt davor mindern Leistung.
  • Vorhänge: Bodentiefe Vorhänge vor der Heizwand nur, wenn sie seitlich geführt werden können oder tagsüber offen sind.
  • Bilder: Kleine Bilder mit 2-3 cm Abstandshaltern sind ok. Großformatige Leinwände direkt an die Wand: vermeiden.

Trockenbau oder Lehmputz: worin die echten Unterschiede liegen

Beide wasserführenden Varianten können sehr gut funktionieren. Entscheidend sind Zeit, Schmutz, Untergrund und wie viel Speichermasse Sie wollen.

Trockenbau-Wandheizung: sauber, schnell, gut kalkulierbar

Trockenbau-Systeme bestehen meist aus Platten/Modulen mit integrierten Rohrführungen oder Wärmeleitblechen. Vorteil: wenig Trocknungszeiten, relativ planbare Schichtdicke und häufig bessere Eignung im bewohnten Zustand.

  • Pro: kurze Bauzeit, wenig Feuchte, gut für Mietobjekte (wenn Eigentümer zustimmt), saubere Oberfläche.
  • Contra: etwas weniger Speichermasse als Lehm, Aufbauhöhe kann stören (Fensterlaibungen, Sockel, Türzargen).

Wandheizung im Lehmputz: Top Behaglichkeit und Feuchtepuffer

Lehmputz speichert Wärme und puffert Luftfeuchte. Das ist im Schlafzimmer und Wohnbereich spürbar. Der Haken: mehr Feuchte während der Bauphase, längere Trocknung und mehr „Handwerk“ (Schichten, Ebenheit, Ecken).

  • Pro: sehr angenehme Strahlungswärme, gutes Raumklima, robuste Oberfläche bei richtiger Ausführung.
  • Contra: Trocknungszeiten, mehr Baustellenlogistik, Untergrund muss tragfähig sein.

Planung in Zahlen: Leistung, Vorlauf, Quadratmeter, Kosten

Die häufigste Enttäuschung entsteht durch falsche Leistungserwartung. Wandheizung ist eine Flächenheizung. Sie liefert nicht „punktuell viel“, sondern „über Fläche genug“. Planen Sie deshalb vom Raumwärmebedarf und der verfügbaren Wandfläche her.

Grobe Faustwerte für die Praxis

  • Wandheizfläche: In typischen Bestandsräumen sind 4-10 m² aktive Fläche pro Raum realistisch.
  • Wärmeabgabe: Je nach System und Vorlauf häufig grob 50-100 W/m² bei niedrigen Temperaturen. Bei höheren Vorläufen mehr, aber das ist energetisch meist nicht sinnvoll.
  • Vorlauftemperatur-Ziel: Wenn Sie perspektivisch Wärmepumpe wollen: so niedrig wie möglich planen (typisch 30-40 °C je nach Haus).

Beispiel: Ein 16 m² Wohnzimmer in einer unsanierten Wohnung kann schnell 800-1200 W Heizlast haben. Mit 10 m² Wandheizung bei 80 W/m² sind Sie bei 800 W. Das kann passen, wenn Fenster ok sind und keine starken Kältebrücken vorliegen. Wenn Sie nur 4 m² frei haben, wird es eng, dann brauchen Sie Ergänzung (z.B. vorhandener Heizkörper bleibt).

Budgetrahmen (Deutschland, grob)

  • Material (Trockenbau/Lehm + Rohr + Verteileranteil): häufig ca. 60-140 EUR/m² Heizfläche.
  • Montage (Handwerk): je nach Region und Komplexität oft ca. 80-200 EUR/m².
  • Nebenkosten: Spachteln/Maler, Elektroanpassungen, Thermostat/Regelung, hydraulischer Abgleich.

Für einen Raum sind in der Praxis oft 1.500-4.500 EUR realistisch, je nachdem, ob Sie nur eine Wand nachrüsten oder gleich Verteiler/Heizkreis neu aufbauen.

Schritt-für-Schritt: So läuft eine Nachrüstung sauber ab

1) Bestandsaufnahme (keine Tools, nur Check)

  • Welche Wärmequelle: Gastherme, Fernwärme, Wärmepumpe geplant?
  • Welche Heizkreise/Verteiler existieren? Fußbodenheizung vorhanden?
  • Welche Wand ist frei, tragfähig, ohne Feuchteproblem?
  • Wo sind Stromleitungen, Wasserleitungen, Installationszonen?

2) Systementscheidung mit Blick auf den Alltag

  • Bewohnt umbauen: Trockenbau ist meist stressärmer.
  • Raumklima priorisiert: Lehmputz ist stark, wenn die Bauphase machbar ist.
  • Nur punktuelle Ergänzung ohne Wasser: elektrische IR-Paneele als Zusatz, nicht als Hauptheizung bei hohen Strompreisen.

3) Hydraulik und Regelung mitdenken (sonst verschenken Sie Effizienz)

Wandheizung braucht saubere Durchflussmengen und niedrige Vorlauftemperaturen. In Mischsystemen (Heizkörper plus Wand) ist eine passende Einbindung entscheidend.

  • Hydraulischer Abgleich: Pflicht, damit die neuen Kreise nicht die alten „leer saugen“.
  • Mischer/Temperaturbegrenzung: Wenn Ihr Bestand mit hohen Vorläufen fährt, brauchen Flächenheizungen oft eine Begrenzung.
  • Regelung: Raumthermostat mit passender Trägheit. Flächenheizung reagiert langsamer als Heizkörper.

4) Montage: typische Punkte, die Qualität machen

  • Untergrund: staubfrei, tragfähig. Lose Altanstriche runter, Hohlstellen prüfen.
  • Leitungsführung: so planen, dass Sie später bohren können (Dokumentation, Fotos, Maßskizze).
  • Druckprobe vor dem Verschließen: erspart extremen Ärger.
  • Oberfläche: sauber verspachtelt, keine scharfen Kanten, Ecken ordentlich. Das sieht man später immer.
Detail einer Trockenbau-Vorwand mit verlegten Heizrohren vor dem Verschließen
Vor dem Verschließen: Rohrlage fotografieren und Druckprobe durchführen.

Typische Fehler aus echten Projekten (und wie Sie sie vermeiden)

Fehler 1: Heizwand komplett zustellen

Klassiker: Nach der Renovierung steht ein 2,4 m Kleiderschrank genau vor der Heizfläche. Ergebnis: Raum bleibt kühl, Wand wird unnötig warm, Regelung pendelt.

  • Lösung: Heizfläche auf „Möbel-freie“ Zonen legen oder nur obere Wandbereiche aktivieren (je nach System).

Fehler 2: Falsche Vorlauftemperatur, kein Abgleich

Wenn die Anlage auf 55-70 °C läuft, ist Wandheizung entweder überfordert (weil gedrosselt) oder ineffizient (weil zu heiß). Ohne Abgleich wird es zusätzlich ungleichmäßig.

  • Lösung: Vorlauf senken, Heizkurve sauber einstellen, Abgleich machen lassen, Durchfluss dokumentieren.

Fehler 3: Keine Bohr- und Leitungsdoku

Spätestens beim zweiten Bild oder Regal wird es kritisch.

  • Lösung: Nach der Verlegung Fotos mit Maßband, Skizze mit Fixpunkten (Türlaibung, Steckdose), Unterlagen zum Verteiler.

Fehler 4: Dampfdichte Schichten auf Lehm

Lehm lebt von Diffusionsoffenheit. Dichte Farben oder falsche Grundierungen können das System ausbremsen.

  • Lösung: Für Lehm geeignete, diffusionsoffene Anstriche verwenden (z.B. Silikat oder Lehmfarbe, je nach Systemfreigabe).

Praktische Alltagstipps: So nutzen Sie Wandheizung richtig

  • Konstant statt Sprünge: Flächenheizung mag stabile Sollwerte. Nachts 3-4 °C runter ist oft zu viel.
  • Raumweise denken: Schlafzimmer eher 17-19 °C, Wohnzimmer 20-21 °C. Wandheizung fühlt sich bei weniger Lufttemperatur gut an.
  • Feuchte im Blick: Gerade im Winter regelmäßig stoßlüften. Warme Wände helfen, ersetzen aber keine Lüftung.
  • Teppich und Vorhang: Sie sind ok, aber die Heizwand selbst sollte „atmen“ können.

Podsumowanie

  • Wählen Sie zuerst die richtige, freie Wandfläche, dann das System.
  • Trockenbau ist schnell und sauber, Lehmputz punktet mit Raumklima und Speicherwirkung.
  • Planen Sie realistisch: Leistung kommt über Fläche, nicht über hohe Temperatur.
  • Hydraulischer Abgleich und passende Vorlauftemperatur sind entscheidend für Effizienz.
  • Dokumentieren Sie die Rohrlage, damit spätere Bohrungen sicher bleiben.

FAQ

Kann ich eine Wandheizung in einer Mietwohnung nachrüsten?

Wasserführende Systeme sind zustimmungspflichtig, weil Sie in die Heizungsanlage und Bausubstanz eingreifen. Elektrische IR-Paneele gehen meist einfacher, sollten aber als Zusatz betrachtet werden.

Wie viel Wandfläche brauche ich pro Raum?

Grob sind 4-10 m² aktive Heizfläche pro Raum üblich. Ob das reicht, hängt von Heizlast, Fensterqualität und gewünschter Vorlauftemperatur ab. Im Zweifel Heizkörper als Backup behalten.

Kann ich nachträglich Regale oder TV-Halter an der Heizwand befestigen?

Nur mit genauer Rohrdokumentation und passenden Befestigungen. Idealer ist, schwere Lasten auf nicht beheizte Wandbereiche zu legen oder auf Standmöbel auszuweichen.

Ist Wandheizung mit Wärmepumpe sinnvoll?

Ja, oft sogar sehr sinnvoll, weil beide niedrige Vorlauftemperaturen mögen. Voraussetzung: ausreichend Heizfläche und eine sauber eingestellte Hydraulik.